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Lebenshilfe Rottweil Aktion Mensch
Umgang mit behinderten Menschen


Respekt und Rechte statt Mitleid und Moralin
von Frank Weniger

Kein Mensch ist wie der andere. Jeder Mensch legt Wert darauf, als Individuum einzigartig zu sein. Verschieden zu sein ist also nicht nur normal, sondern erwünscht. Diese „Normalität des Verschiedenen“ hört im gesellschaftlichen Alltag allerdings oft dort auf, wo die individuelle Unterscheidung etwas mit einer geistigen Behinderung zu tun haben könnte.
Wenn das Gegenüber ein offenbar geistig behinderter Mensch ist, wird in vielen Fällen eine Schublade mit diesem Etikett geöffnet und der Mensch insgesamt hineingepackt. Das Etikett „geistig behindert“ wird der Persönlichkeit pauschal verliehen und auf alle Wesensmerkmale des Menschen übertragen. Diese Art, nicht normal zu sein, ist dann vielfach nicht erwünscht. Das Gegenüber löst nicht selten Unbehagen oder zumindest Verunsicherung aus.
Dieses Phänomen ist schwer erklärbar. Der geistig behinderte Mensch hat, nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine „unvollständige oder unzureichende Entwicklung der geistigen Fähigkeiten“.

Eine Gruppe bei einer Freizeit in Königsheim. Mit dabei Sandra, Ute und Gabi Schwaibold, die sich spontan als Betreuerinnen zur Verfügung stellten und schnell Anerkennung für ihren unkomplizierten und respektvollen Umgang erlangten.

Seine Defizite beziehen sich also in der Regel nur auf seine reinen Gehirnleistungen, betreffen das abstrakte Denkvermögen. Er gilt oft als etwas „unberechenbar“. Das irritiert oder verunsichert andere Menschen häufig. Dabei sind Vorbehalte gegenüber Menschen mit dieser Behinderung, rational betrachtet, ganz und gar unbegründet. Geistig behinderte Menschen sind lernfähig, sie brauchen aber mehr Zeit. Wenn schon „behindert“, dann könnte man sagen, dass sie „entwicklungsbehindert“ sind. Sie sind aber keinesfalls entwicklungsunfähig! Sie verfügen teilweise über eine hohe emotionale Intelligenz. Sie können ganz intensiv empfinden, sind vielfach überaus einfühlsam und sind in ihrem Verhalten sehr zuverlässig. Geistig behinderte Menschen kämen nie auf die Idee oder wären in der Lage, ihr Verhalten gegenüber den Mitmenschen aus Berechnung abzuleiten. Sie verhalten sich ganz unmittelbar, offen und ehrlich. Ihre Emotionen werden nicht verschleiert und ihre Freude ist echt und ersichtlich, Trauer in Gestik und Mimik ablesbar. Sie sind verlässlich und in ihrem Wesen offen und dankbar für alle Formen von Freundlichkeit.
Geistige Behinderung ist keine Krankheit. Sie kann die Folge einer Krankheit sein, ebenso wie die Folge von Schädigungen des Erbguts oder von Komplikationen bei der Geburt. Sie kann aber auch durch eine zu geringe Förderung der geistigen Fähigkeiten oder durch einen Unfall verursacht werden. Eine geistige Behinderung kann jeden treffen.
Menschen mit geistigen Behinderungen brauchen keine übertriebene Hilfsbereitschaft und schon gar kein Mitleid. Sie verdienen eher Respekt dafür, dass sie ihr Leben mit diesen Einschränkungen klaglos meistern. Der Umgang mit diesen Menschen ist ein Spiegel der Menschlichkeit einer Gesellschaft. Die Lebenshilfe in Deutschland und der Ortsverein in Rottweil setzen sich dafür ein, dass  behinderte Menschen die praktische Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um ihre Fähigkeiten entwickeln zu können, um ihren Alltag so normal wie möglich bewältigen und ihr Leben so selbstständig wie möglich meistern zu können. Die Lebenshilfe setzt sich auch dafür ein, dass behinderte Menschen die Rechte erhalten, die ihnen zustehen und dass ihr Anspruch auf Menschenwürde gewahrt wird.
Wir wollen, dass es normal wird, verschieden zu sein, auch wenn die Unterscheidung in einer Behinderung liegt.

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